GovTech Case: KI-Arbeitsumgebung in der Kommunalverwaltung
KI-Arbeitsumgebung in der Kommunalverwaltung – Wie der Kreis Bergstraße den KI-Einsatz für 1.600 Beschäftigte und 22 Städte und Gemeinden in den Regelbetrieb gebracht hat
Kommunale Verwaltungen stehen unter wachsendem Druck, steigende Fallzahlen mit weniger Personal zu bewältigen, ohne dabei Abstriche bei Bearbeitungsqualität und Rechtssicherheit zu machen. KI-gestützte Werkzeuge gelten als Teil der Antwort, kommen in der Praxis jedoch selten über Pilotprojekte in einzelnen Fachbereichen hinaus. Ein wesentlicher Grund liegt im Datenschutz: Wer in Jugendamt, Sozialamt, Jobcenter oder Ausländerbehörde arbeitet, hat es durchgängig mit personenbezogenen Daten zu tun, und genau dort entscheidet sich, ob ein Werkzeug im Alltag tatsächlich nutzbar ist.
In diesem GovTech Case zeigen der Kreis Bergstraße und die Telekom MMS, wie eine KI-gestützte Arbeitsumgebung seit April 2026 im Regelbetrieb der gesamten Kreisverwaltung läuft. Vorausgegangen waren ein einjähriger offener Testbetrieb und eine anonyme Bedarfserhebung mit rund 350 Teilnehmenden. Der eigentliche Rollout dauerte acht Wochen, einschließlich verpflichtender Schulung aller 1.600 Beschäftigten. Über einen zweiten Mandanten sind zusätzlich die 22 kreisangehörigen Städte und Gemeinden angebunden.
Im Mittelpunkt steht die Frage, was aus einer Lizenz tatsächliche Nutzung macht. Rund 1.200 der 1.600 Beschäftigten haben Aufgaben, bei denen KI unterstützen könnte. Heute arbeiten bereits über 1.050 aktiv mit dem System, ein Nutzungsgrad von rund 90%. Getragen wird das von einer bewusst schlanken KI-Leitlinie, von KI-Lotsen je Abteilung und von standardisierten Prompts, die die Fachteams untereinander teilen. Flankiert wurde die Einführung von einer klaren personalpolitischen Zusage: Die gewonnenen Kapazitäten fließen in die weitere Digitalisierung, nicht in Stellenabbau.
Kernfragen in diesem Case
- Welche Anforderungen muss ein KI-Werkzeug erfüllen, damit es in der gesamten Kommunalverwaltung überhaupt eingesetzt werden darf?
- Welche Strukturen verankern die Nutzung in der Organisation, statt sie von Einzelnen abhängig zu machen?
- Wie wurde aus einem offenen Testbetrieb in acht Wochen ein Rollout für die gesamte Verwaltung?
Referenten
- Dr. Johannes Bunsch (Leiter IT, Kreis Bergstraße)
- Lukas Müller (Bauamt und KI-Lotse, Kreis Bergstraße)
Voraussetzung
Für die Teilnahme an diesem Modul sind keine spezifischen Vorkenntnisse erforderlich. Die Teilnahme ist offen für Verwaltungsmitarbeitende aus Bund, Ländern und Kommunen sowie Fördermitglieder von GovTech Deutschland. Das Angebot ist kostenfrei.
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